Freitag, 21. Februar 2014

Die unverrückbare Zwölf. Vom Bloggen über Tiefsinniges


Und dann sitzt du da im HAU1 mit deinem Schreibblock und siehst zu, wie dort jemand mit einer überdimensionalen Schere aus Pappe rumhantiert und dir damit irgendwas sagen will, natürlich ohne ein Wort zu verlieren, und du notierst dir: Richtig große Schere. Und würde dich irgendjemand fragen, was das zu bedeuten habe, dann würdest du wahrscheinlich stammeln: Na so Nabelschnur. Abnabelung irgendwie … so Mutterkomplex, siehe Freud … 

Und im Anschluss dann das Sitzen im Redaktionsbüro. Im Kopf das soeben Gesehene und vor den Augen das unerträgliche Weiß eines leeren Word-Dokuments. Links oben in der Ecke dieser kleine schwarze Strich, der den Schreibansatz anzeigt. Und blinkt. Im Halbsekundentakt. Und du wünschst dir, der Typ mit der Schere hätte irgendwann mal den Mund aufgemacht und so etwas gesagt wie: Liebes Publikum, diese Schere steht für die zunehmende Abkapselung des Individuums in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Hat er aber nicht. Nicht ein Wort. Und der schwarze Strich kommt und geht, kommt und geht. Und in der unverrückbaren Zwölf jeder Uhr lauert die Textdeadline und frisst Zeit. 

//mp


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