Montag, 24. Februar 2014

Warum hat Brian so schönes Haar, benutzt er etwa Pflegeprodukte aus den USA


cobrakörper.cobra | Als der Körper zum Feind wurde 

Die Pubertät hat Männerhände, die sich hauen, behaarte Beine in Fußballshorts und Bäuche, die sich zu Grimassen verziehen. Die Pubertät zupft Gitarre und tanzt am liebsten Breakdance. Und dazwischen schmeißt sie gerne mal ein paar Pillen und knutscht im Busch, bis es ihr zu bunt wird – denn so viel Heimlichkeit hält sie nicht aus. Die Theatermacher Wanja van Suntum und Stephan Stock kämpfen, schmusen und beäugen sich durch ihre/unsere Pubertät, die so lange noch nicht her ist, aber sich schon weit genug anfühlt, dass man nicht aufhören möchte hinzusehen, auch wenn es schmerzt. Wir hätten auch noch ein viertes Mal geklatscht.



//ls

Ich haul dich gleich – eine fast halbe 100 Wort Kritik

Gut für die Vita | Riesenhaul 

Die Schauspielerei ist ein hartes Pflaster, auf dem man sich durchzuschlagen wissen muss. Schauspielerin M. Siebert hat sich das so überlegt: Haulvideos (diese Internteschnipsel, in denen oft junge Mädchen Einkauftipps geben) mit Monologeinlagen, oder auch Menschen, die ihr ähnlich sehen, aus dem Verkehr ziehen. Das funktioniert auf der Bühne ganz gut, als Schauspielerin hätte ich Angst vor ihr. 

//ls

Sonntag, 23. Februar 2014

An und aus

Vera Sofia Mota / Kristoffer Ström | Second Love 

Foto: Paulo Chinatown Matosinhos


Zwei Performer, die hintereinander etwa 10 Minuten in einem dunklen Raum tanzen. Ab und zu geht ein Strahler an und dann wieder aus. Was bleibt sind Silhouetten. Und noch fast siebzig Worte, die ich mehr hätte schreiben müssen. 

Foto: Paulo Chinatown Matosinhos


//ls

Samstag, 22. Februar 2014

Speedanalysis



magic garden | QUESTIONING / WER WIR SIND

Zwei Stuhlreihen, die sich gegenüberstehen. "Setzt euch jemandem gegenüber, den ihr nicht kennt", sagt eine der Performerinnen, "nehmt den Umschlag unter eurem Stuhl und beantwortet die Fragen über eurer Gegenüber." Der erste Eindruck zählt. Danach wird nicht mehr gesprochen, beinah 40 Minuten. 
Thea ist 34. Sie fühlt sich seit ein paar Tagen komisch, weil sie schon längst ihre Periode hätte bekommen müssen – denke ich, schreibe ich nieder. Die Zeit ist um. Mein Gegenüber und ich tauschen unsere Umschläge: Thea heißt Isabell, führt seit vier Jahren ihre eigene Bäckerei, das Thema Kinder spielt gerade keine Rolle. Kurz reden wir noch, dann winken wir uns zu, "noch viel Spaß". Unsere Bögen werden nicht eingefordert, nur die Fragen bleiben: Woher weiß sie, dass ich Sachen gerne aufschiebe, und warum wirke ich so selbstzentriert? Egal, ich muss ins nächste Stück.

*Name und biographische Bezüge von der Redaktion geändert.



Hey, I am Thorbi



Karl Thorbergsson | I am here for the right reason

Vor gut zwei Wochen wurde im Kopenhagener Zoo die Giraffe Marius getötet und den Löwen zum Fraß vorgeworfen – ein natürlicher Vorgang. Das ist die Realität, sagt der Performer Karl Thorbergsson. Ein Jahr zuvor hatte er die Babygiraffe noch mit seiner Familie besucht, die auch im Publikum sitzt. Der Isländer ist höflich, hat sich jedem Zuschauer persönlich vorgestellt und auf die kleinen und großen Details der Bühne aufmerksam gemacht. Nehmt euch Zeit, lasst das Reale und Wahre zu, sagt er, und steht da, für vielleicht fünf bis zehn Minuten. Eine Halbstunde Ehrlichkeit in einem geschützten Raum. Nett war sie, vielen Dank. 

//ls 

Der Archevater des Letzten Testaments


Ob Moses, Abraham Jesus oder Gott - die Bibel ist ein Sammelsurium an Männern, Vätern und Söhnen, die sich nicht unbedingt immer grün sind, aber seiner Familie kann bekanntlich niemand entkommen. Der Schauspieler und Theatermacher Niklas Leifert nimmt die Väter und Vatersväter auseinander und performt beim 100° Grad den finalen Teil der biblischen Testamente, „Das letzte Testament“.

Für das 100Wort Blog hat der Theatermacher die Strichmännchenfigur unserer Redakteurin Lara Sielmann zum Vaterarchetypen des Letzten Testaments umgewandelt.
  

Lieber Niklas Leifert, jedes Testament hat seine hervorstechenden Vaterfiguren, wie sieht die Archevaterfigur des Letzten Testaments aus und was sagt Eva dazu?

  
Ein Testament ist eine rechtsverbindliche Verfügung, eine Regelung für den Erbfall. Tritt er ein, gibt es laut „Das Letzte Testament“ gerade keine Vaterfigur mehr, auf den die Verantwortung abgewälzt werden könnte. Eva kommt in meiner Performance nicht vor. Wahrscheinlich würde sie sagen: „Geht’s hier zum Paradies?“ und „Bekomme ich eine zweite Chance?"
//ls

Niklas Leifert 
Das letztes Testament
Samstag, 18 Uhr
Sophiensaele 213