Montag, 24. Februar 2014

Warum hat Brian so schönes Haar, benutzt er etwa Pflegeprodukte aus den USA


cobrakörper.cobra | Als der Körper zum Feind wurde 

Die Pubertät hat Männerhände, die sich hauen, behaarte Beine in Fußballshorts und Bäuche, die sich zu Grimassen verziehen. Die Pubertät zupft Gitarre und tanzt am liebsten Breakdance. Und dazwischen schmeißt sie gerne mal ein paar Pillen und knutscht im Busch, bis es ihr zu bunt wird – denn so viel Heimlichkeit hält sie nicht aus. Die Theatermacher Wanja van Suntum und Stephan Stock kämpfen, schmusen und beäugen sich durch ihre/unsere Pubertät, die so lange noch nicht her ist, aber sich schon weit genug anfühlt, dass man nicht aufhören möchte hinzusehen, auch wenn es schmerzt. Wir hätten auch noch ein viertes Mal geklatscht.



//ls

Samstag, 22. Februar 2014

Programmänderung: Samstag, 20 Uhr, HAU1 Saal!

Das Stück Strategopulos und Uhlenbeck auf Alpha Sagittarii der Gruppe die spiegelbilder entfällt. Statt dessen zeigen Wanja van Suntum und Stephan Stock als cobratheater.cobra und vorschlag:hammer ihr Stück Als der Körper zum Feind wurde. Eine Koproduktion mit dem Jungen Schauspielhaus Düsseldorf. Gefördert durch den Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes. Premiere war am 21. Januar 2014 im Jungen Schauspielhaus Düsseldorf.

cobratheater.cobra ist Künstler_innennetzwerk und Label zugleich. Es schafft sich stetig neue Körper, indem es dazu auffordert die Cobra-Klammer zu setzen. Künstler_innen, die sich an Produktionen beteiligen, können sich des Labels bedienen, haben dabei aber keine formal-ästhetischen Einschränkungen. Pluralität ist gefragt im cobratheater.cobra.
Foto: Sebastian Hoppe
In Als der Körper zum Feind wurde rückt Pluralität als gesellschaftliche Einschrift in den Fokus. Als Anforderungen und Erwartungen, die sich an das ICH der Pubertät richten. Eben jene Zeit, in der das Bewusstsein zum eigenen Körper entsteht und damit auch zu seiner Erscheinung nach außen. "ICH werde zur sozialen Formmasse – aber es herrscht Peinlichkeit", so werden Erinnnerungen an eigene und fremde Geschichten erzählt und unperfekte Körper präsentiert. Durch diese lässt man dann das Internet zirkulieren. Ist das dann der Feind als Fremdkörper? Mehr noch scheint es eine Annäherung an die Häutung der cobra.

cobratheater.cobra über ihr Stück: "Diese Theateraufführung versucht über Pubertät zu sprechen, sie markiert die Differenz unserer Erscheinung zu der aktuellen Jugendlichkeit. Wir erinnern unsere und fremde Geschichten und bringen unsere unperfekten Körper ins Spiel, wodurch vielleicht doch zwei Jungs erscheinen. Vielleicht die Jungs, die wir mal waren, sprechen von Liebe, Gewalt und Drogen. Wir tanzen auch, so wie wir es cool finden und intim. Wir sprechen über unsere Albträume und lassen das Internet durch unsere Körper zirkulieren. Emotionen kommen nicht zu kurz, dringende Fragen kommen auf, aber alles wird ein mal vergessen sein. Daran wollen wir Samstag erinnern."  
//mn

cobratheater.cobra
Als der Körper zum Feind wurde
Samstag, 20 Uhr
Sophiensaele, Saal

Hello Kitty

Liebes Tagebuch, ich habe sie endlich gefunden.  

Das war in einem dunklen Raum. Sie kam in einem Schneeanzug, ein Katzenkäfig auf ihrem Kopf. Sie sprach: „Drin in mir, da wohnt eine Mieze. Die ist nun auf der Suche nach Milch.“ Dann zog sie sich aus, war halb nackt darunter. „Ich kuschle gern“, das sagte sie. „Schlafe viel, mag Fleisch und Spazieren. Mein Gesicht, das wasch ich am Tag fünfzehnmal.“ Sie sang mir was vor, sang ganz leise. Der Text ging: Miau Miau Miau. Sie tanzte, sprach zitternd ihr Mauzifest, sagte: „Katzenfrauen-Power, das ist bedingungslose Liebe.“ 

 









Liebes Tagebuch, dann ging das Licht wieder an.

//mp


Freitag, 21. Februar 2014

Chorale Körper, Fraktale

Trigger Track Collective | Caffeinoscope



Wie ein choraler Körper neigen sich nackte Rücken im Rauschen der Stille. Eine sakrale Sonorik. Fünf Körper, die Rhythmus geben. Jeweils auf einem Bein stehend, neigen sie sich wie Halme im Wind. Als das Umfallen naht, gibt grelles Licht das Signal zum Abtritt. Das nächste Bild: Sportstück mit Assoziationen zu Riverdance und Monty Python. Hier entsteht eine choreographische Simultaneität, die sich in fraktalen Soli löst. Der Takt hält die Körper am Leben, bis die Atmung die Erschöpfung befreit. Oder nur vortäuscht? Schließlich finden sich die einzelnen Fraktale wieder. Erst einmal Tee trinken nach all der Anstrengung. Immer in Bewegung bleiben. //mn

Liebe machen (mit Mayonnaise)

Daniel Agulló, Agata Siniarska | Those three little words

Fotografie: Ein Männergesicht. Unbeweglich und starr. Die Augen weit aufgerissen, der Mund offen. Alles ist voller Mayonnaise. Und es bewegt sich doch was: Zwei Frauenfinger, ebenfalls voller Mayonnaise, schieben sich in seinen geöffneten Mund.  Und wieder hinaus. Rein. Und wieder raus. Im Hintergrund stöhnt eine Frau. Cut. Neues Foto: Frauengesicht. Augen weit aufgerissen, Mund offen. Alles voller Tomatensoße. Zwei behaarte Männerfinger schieben sich in ihren Mund. Wieder raus. Im Hintergrund stöhnt die Frau lauter. Man denkt, man hätte Those three little words schon erraten. Eigentlich sind es aber sechs: Breathless. Fingering. Coming Soon. Tuning Love. Alle sind Those three little words. Nur besser. Du weißt, dass du es auch sehen willst.

//ar

Samstag, 17-19 Uhr
HAU1 Foyer

Sonntag, 17-19 Uhr
HAU1 Foyer

Die tägliche Mutter. Teil 1: Das Treppenkind




Liebe Mutter,

ich bin jetzt also hier auf diesem 100° Festival in Berlin. Und wurde versetzt, schon am ersten Tag. Ich wollte mir einen schönen kleinen Film ansehen – und jetzt sitze ich auf der Treppe, weil der nicht läuft.  „Der Film ist weg“, haben die gesagt. „Wie geht denn das?“, habe ich gefragt. Das konnte mir keiner beantworten. Lange Gesichter hatten wir alle.
Auf dem Weg hier hin, bin ich aus der U-Bahn ausgestiegen. Da stand einer, der war schon müde und hat in hohem Bogen gekotzt. Durch diesen Arc de Triomphe ist ein Hund durchgelaufen. Ich musste ein bisschen lachen, aber schön war das nicht.
Gleich sehe ich mir vielleicht einen Film an, in dem getanzt wird. Es geht wohl um „unten rum“. Danach sitze ich bestimmt wieder auf der Treppe.
Wie versprochen werde ich dir jeden Tag schreiben.

Aus der Ferne winkt,
//tot