Samstag, 22. Februar 2014

Luftikuss


Svetlana Schwin | Der Kuss

Der Titel der Soloperformance „Der Kuss“ schürt Ängste oder Hoffnungen. Die werden am Einlass befeuert werden: Ob man einen Kaugummi oder Tic Tac konsumieren wolle. Ja, danke, nimmt man lieber mal. Alle drücken sich an der Wand herum, Tanzstundenbenehmen. Die Performerin sitzt in der Mitte im Dunklen, beleuchtet mit einem Spiegel kreisrund ihren Mund. Der macht so, als sei er ein unabhängiges Wesen, ein kleiner Mond oder wabernde Masse, die sich ihres Aggregatszustands nicht sicher ist, Tor zur Außenwelt für kleine Leidenschaftsseufzer. So also sieht knutschen aus, wenn niemand am anderen Zungenende hängt! Die Dielen des Ballhauses knarzen, bei jedem Geräusch vermutet man hinterrücks den Angriff. Er bleibt aus.

//fs

Die tägliche Mutter. Teil 2: Königskinder



Liebe Mutter,

heute Morgen kam das große Erwachen. Rentner heißt rückwärts auch Rentner! Das ist mir im Zug aufgefallen, nachdem mir einer auf den Fuß getreten ist. „Rührend ist kein Argument“, hat er gesagt. Das habe ich nicht verstanden. Der Rest des Tages lief eigentlich ganz reibungslos. Auf dem Festival wo ich bin, sind ganz viele Leute. Aber die meisten sind immer, wenn sie rauchen. Viele hatten Kronen auf dem Kopf, aber keiner hatte Gold an den Zähnen. Künstler und Königskinder sehen beide wirklich komisch aus. Aber beide nicht dasselbe komisch. 
Ich bin weiterhin damit einverstanden, dir jeden Tag zu schreiben.

Mit Falten auf der Stirn,
//tot