Montag, 24. Februar 2014

Hat Julia Engelmann eine Performance über relevante Probleme der Welt konzipiert?


Feld Fiction | something to track

Foto: Arne Schmitt
Ich finde, wir sollten die gegenwärtige Orientierungslosigkeit im Zeitalter unserer Gesellschaft anprangern, das ist nämlich wichtig. Lasst uns ganz unterschiedliche Leute zeigen, die ziellos durch den Raum laufen und abrupt die Richtung ändern oder abbremsen. Wie wäre es mit dem Studentenleben? Wir könnten das Bild aufmachen, wie junge Leute im Park sitzen, grillen und Protestlieder singen. Migration ist auch interessant. Oder Arbeitslosigkeit. Oder beides! Die deutschen Behörden und Hartz IV sind echt schwer zu bewältigen. Es gibt so viele gesellschaftliche Schieflagen. Wir sollten sie alle abhandeln. Und das am besten nicht zu kompliziert. //tot

Sonntag, 23. Februar 2014

Die tägliche Mutter. Teil 3: Stiefkinder

 
Liebe Mutter,

ich stehe kurz vor der Machtübernahme. Das wird Wände beschreiben. Neben mir steht schon einer mit einem roten Stirnband. Es signalisiert Alarm. Wir hecken aus, wie wir aus Grauzonen Geschäftsmodelle erstellen. Es hat mit der Zentrifugalkraft und gesellschaftstauglicher Umstandsmode zu tun. Jedenfalls bin ich dann gegen Nachmittag diesem Syndikat beigetreten. Alles hier entwickelt sich zu einem großen Zusammenhang. Ich finde neue, maximal brisante Fragen, zum Beispiel: Warum sind vor 50 Jahren Leute mit Raketen auf den Mond geflogen, die dümmer waren als ein Taschenrechner? 
Meinen Berechnungen nach, schreibe ich dir auch morgen.

Halt die Fahnen hoch,
//tot

Es gibt Steine



Julia Nischke | Tocotronic_Eine Liebeserklärung? 


Nach der Tocotronic Fandom-Lecture-Performance habe ich den Text von Let There Be Rock übersetzt. Mehrfach.


 
Deutsch Englisch Französisch Spanisch Russisch → Deutsch
Der Song heißt jetzt „Es gibt Steine“. Und der Text geht so:


Es gibt Steine

Wir setzten
In der langweiligste Weltbühne
Wir sprechen
Und wir fanden, dass wir es lieben, hier

Ausbeutung des Menschen
Er erreicht eine neue Qualität
Und wie kann man überall hören
Wenn die Kunst hier und immer noch behaupten Garten

Ich habe gehört, Sie sagen,
Leiser als laut
"Junge Menschen haben
Eigenbau "

Es gibt Steine (3x)

Und wir alle hassen
Vom ersten Tag
Lassen Sie uns nie
Denn eigentlich, ja, können Sie

Ich habe gehört, Sie sagen,
Leiser als laut
"Junge Menschen haben
Eigenbau "

Es gibt Steine (3x)

Es gibt Steine (3x)

Es gibt Steine (4x)

Für die Liebe Gottes
nur eine Stunde
Nur noch einen Tag

Es gibt Steine

Bart

Es gibt Steine (2x)

//tot

Samstag, 22. Februar 2014

Soll ich dir mal eine Frage stellen, die so richtig Spaß macht?


Patrick Wengenroth und Matze Kloppe bieten eine musikalische Monströsitäten-Show, bei der man ins Taumeln gerät. Musik vom Planeten Porno heißt das in den Sophiensaelen zur Schau gestellte Programm: „Ein unfasslicher Eintopf der musikalischen Unmöglichkeiten, zusammengebraut aus Zutaten, über die man nur den Kopf schütteln kann, bis man am Ende gerührt dasteht und weint – oder tanzt und lacht“, sagt das Programmheft. Zehn Fragen an Patrick Wengenroth.


Wärst du ein Seemann und würdest eine Augenklappe tragen, was wäre dein Kosename?
Mausischnauz.

In welchem Land würdest du gerne auf einem Balkon vor dem jubelnden Fußvolk einen neuen Nationalfeiertag ausrufen – und welcher wäre das?
Ich stehe lieber auf der Bühne als auf Balkonen, bin lieber Sänger als Politiker und ziehe das Singen dem "AUS" rufen vor...

Für welches Verbrechen würdest du gerne ins Gefängnis gehen?
Dafür, dass man den Leuten, die einem allzu oft das Leben zur Hölle machen, mal so richtig auf die Schnauze haut.

Was ist das Normalste, das du dir vorstellen kannst?
Würstchen grillen und ein Bier dazu.

Wer ist böser? Charles Manson oder Anton LaVey?
Keine Meinung – Gegenfrage: Wer ist der bessere Schriftsteller: Joseph Eichendorff oder E.T.A. Hoffmann?
[Gegenantwort [tot]: Der Imageberater von Giovanni Trapattoni.]

Was ist heißer Scheiß?
Die neuen Platten von Ja, Panik und Beyonce ...

Wer sollte unbedingt ein Poster von dir über dem Bett hängen haben?
Meine Kids.

Wärst du lieber Spezialist im Messerwerfen oder im Kopfrechnen?
Im Messerwerfen.

Was kannst du unter Druck nicht?
Echt lachen.

Welches ist die am häufigsten zu hörende Frequenz auf dem Planeten Porno?
Keine Ahnung, welche Frequenz Liebe und Hass haben ... aber die dann halt.

//tot

WENGENROTH/KLOPPE
Musik vom Planeten Porno
Freitag, 23 Uhr
Sophiensaele Kantine

Die tägliche Mutter. Teil 2: Königskinder



Liebe Mutter,

heute Morgen kam das große Erwachen. Rentner heißt rückwärts auch Rentner! Das ist mir im Zug aufgefallen, nachdem mir einer auf den Fuß getreten ist. „Rührend ist kein Argument“, hat er gesagt. Das habe ich nicht verstanden. Der Rest des Tages lief eigentlich ganz reibungslos. Auf dem Festival wo ich bin, sind ganz viele Leute. Aber die meisten sind immer, wenn sie rauchen. Viele hatten Kronen auf dem Kopf, aber keiner hatte Gold an den Zähnen. Künstler und Königskinder sehen beide wirklich komisch aus. Aber beide nicht dasselbe komisch. 
Ich bin weiterhin damit einverstanden, dir jeden Tag zu schreiben.

Mit Falten auf der Stirn,
//tot

Kuss auf die Eichel!

Pemen | Eine gefühlvolle Lesung

Eine gefühlvolle Lesung leitet man bekannterweise mit der Sichtung von 63 großformatigen Penisbilder ein. Ein Spaß für Groß und Klein und Halbmast. In ihren literarischen Miniaturen befassen sich Insa Peters und Nadiah Riebensahm mit ihrer Vergangenheit und den daran beteiligten Penissen. Es geht um Toleranz und Vielfalt und Nächstenliebe – kurz vor dem Streitgespräch. 
 
Foto: Arne Schmitt
Es fallen viele aktive Worte aus dem Genitalvokabular. Die Bilanz der 45 minütigen Penismemoiren: 8x Penis, 7x Schwanz, 1x Pimmel. So ist das, wenn man über „unten rum“ schreibt.
„Pemen? Das sind doch die mit der billigen Penisprovokation!“ (Zitat: Pemen über Pemen)

//tot

Archivierte Biographien


redlifedeadline | Woher komme ich – wohin gehe ich? 10 Minuten deines Lebens, danke!


Man dreht ein Kaleidoskop von Erinnerungsfragmenten. Erinnerungen, die nicht unbedingt die eigenen sind, die man aber trotzdem gerne teilt. Die Fragen nach ihnen wiederholen sich, man hat also genug Zeit durchzuatmen, es ist wie eine kleine schöne Pause. Man ist ganz bei sich, sucht seine eigenen Antworten und sieht trotzdem die Momente der erzählenden Figuren. // Der alte Emailletopf // Der erste Berufswunsch als Kind // Nicht auf die Bodenfugen treten, denn da ist Feuer // Die Sonnenfinsternis von 1999 //



Die Performance ist ein Cut-Up aus 150 Interviews, die 2011 über zehn Tage lang in einer Holzkiste auf einem Festival geführt wurden.
//tot

Freitag, 21. Februar 2014

Kaschierte Rhythmik


Was passiert, wenn ich mich von der Gesellschaft distanziere und nicht mehr im Mittelpunkt stehe?
Diese Frage haben die vier Akteure von Jessen/Jaroszek in Rhythmik gebracht und versuchen sie in ihrem Formexperiment zu beantworten. Ausgehend von der Metapher der Verschleierung haben sie eine Durationalperformance auf 35 Minuten konzipiert, in der zwei Sprecher, ein Schlagzeuger und eine Tänzerin mit ihren Rhythmen ihre jeweiligen Disziplinen aufbrechen und dadurch auf einen gemeinsamen Ausdruck zielen. Beschrieben wird der Vorgang der Isolation [der eigene Rhythmus] als Basis der Partizipation [mit den anderen Rhythmen zusammenkommen].

Teil dieses Formexperiments ist es aber auch, In Purdah als Beta-Version zu handhaben, die unter Einbezug der Öffentlichkeit geschliffen wird. So verstehen die Performer das 100° als Ort des Austausches, als Plattform, um weiter an der Produktion zu arbeiten – und um Ideen zu präsentieren, ohne definitiv werden zu müssen. Wo wir konsequenterweise wieder beim Tenor der Isolation und Partizipation wären.

//tot

Jessen/Jaroszek
In Purdah
Freitag, 20 Uhr
HAU3 Probebühne

Die tägliche Mutter. Teil 1: Das Treppenkind




Liebe Mutter,

ich bin jetzt also hier auf diesem 100° Festival in Berlin. Und wurde versetzt, schon am ersten Tag. Ich wollte mir einen schönen kleinen Film ansehen – und jetzt sitze ich auf der Treppe, weil der nicht läuft.  „Der Film ist weg“, haben die gesagt. „Wie geht denn das?“, habe ich gefragt. Das konnte mir keiner beantworten. Lange Gesichter hatten wir alle.
Auf dem Weg hier hin, bin ich aus der U-Bahn ausgestiegen. Da stand einer, der war schon müde und hat in hohem Bogen gekotzt. Durch diesen Arc de Triomphe ist ein Hund durchgelaufen. Ich musste ein bisschen lachen, aber schön war das nicht.
Gleich sehe ich mir vielleicht einen Film an, in dem getanzt wird. Es geht wohl um „unten rum“. Danach sitze ich bestimmt wieder auf der Treppe.
Wie versprochen werde ich dir jeden Tag schreiben.

Aus der Ferne winkt,
//tot

Der telepathische Selbstversuch. Ein Experiment, basierend auf wahren Gegebenheiten.

Helene Hellmich Veronica Wüst | Paraperformance – Telepathisches Material
 
Fig.1 Ich nahm mir einen Stuhl und saß dann vor dem Fernseher. Sie hatten schöne Helme auf. R. und ich, wir sind zwar in derselben Zeitzone, aber er wohnt in einem anderen Land. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Holland. Sollte also auch funktionieren. Ich sah mir das telepathische Material ziemlich genau an.

Fig.2 Ich zerlege meine Gedanken und die Bilder, die ich sehe. Ich schicke sie nach Holland. Barrierefrei. In R.s Kopf: ein geschnitztes Spielzeugmännchen aus einer Ingwerwurzel // der vollaufgedrehte Drehregler einer Herdplatte // strobopastellene Zahlenparzellen // die angenehme Stimme der Frau aus dem Fernseher // zehn gestutzte Fingernägel // verschiedene Umstände, immer 17Uhr // eine nicht gestemmte Einkaufsliste, Eier, Joghurt, Apfelmus, Gemüse, Obst // Hallo R., ich bins, kannst du mich hören? Das wäre schön.  


Fig.3 Ich war fertig und wollte, dass die Ergebnisse verblüffend sind. Ich stand auf, stellte den Stuhl zurück und ging an den Leuten vorbei und raus. Ein kurzer Augenblick Pause in der Leitung. Das Freizeichen war nicht auffallend anders.           
„Hi, warum rufstn du um die Uhrzeit an?“    
„Na, ich hab versucht dich zu erreichen.“    
„Ja, und worum gehts?“



//tot

Helene Hellmich / Veronica Wüst

Paraperformance – Telepathisches Material
HAU 1 Foyer, Donnerstag bis Freitag, ganztägig, 20 Minuten, Video

Sophiensaele, Lichthof, Donnerstag 19 bis 21 Uhr, Freitag, 22 bis 24 Uhr, Samstag, 17 bis 19 Uhr, Sonntag, 17 bis 18 Uhr