Samstag, 22. Februar 2014

Kuss auf die Eichel!

Pemen | Eine gefühlvolle Lesung

Eine gefühlvolle Lesung leitet man bekannterweise mit der Sichtung von 63 großformatigen Penisbilder ein. Ein Spaß für Groß und Klein und Halbmast. In ihren literarischen Miniaturen befassen sich Insa Peters und Nadiah Riebensahm mit ihrer Vergangenheit und den daran beteiligten Penissen. Es geht um Toleranz und Vielfalt und Nächstenliebe – kurz vor dem Streitgespräch. 
 
Foto: Arne Schmitt
Es fallen viele aktive Worte aus dem Genitalvokabular. Die Bilanz der 45 minütigen Penismemoiren: 8x Penis, 7x Schwanz, 1x Pimmel. So ist das, wenn man über „unten rum“ schreibt.
„Pemen? Das sind doch die mit der billigen Penisprovokation!“ (Zitat: Pemen über Pemen)

//tot

Live hat absolute Priorität

Foto: Arne Schmitt

Archivierte Biographien


redlifedeadline | Woher komme ich – wohin gehe ich? 10 Minuten deines Lebens, danke!


Man dreht ein Kaleidoskop von Erinnerungsfragmenten. Erinnerungen, die nicht unbedingt die eigenen sind, die man aber trotzdem gerne teilt. Die Fragen nach ihnen wiederholen sich, man hat also genug Zeit durchzuatmen, es ist wie eine kleine schöne Pause. Man ist ganz bei sich, sucht seine eigenen Antworten und sieht trotzdem die Momente der erzählenden Figuren. // Der alte Emailletopf // Der erste Berufswunsch als Kind // Nicht auf die Bodenfugen treten, denn da ist Feuer // Die Sonnenfinsternis von 1999 //



Die Performance ist ein Cut-Up aus 150 Interviews, die 2011 über zehn Tage lang in einer Holzkiste auf einem Festival geführt wurden.
//tot

Wir haben jetzt keine Hoffnung mehr


Ulrike Günther | Frühlings Erwachen

Foto: Roger Rossell

Einmal im Traum ist Roya in den Palast des iranischen Präsidenten gegangen. Am Körper trug sie Sprengstoff, sie wollte den Präsidenten töten. Sie jagte sich in die Luft und als sie von weit oben hinabblickte, waren alle tot, nur der Präsident lebte. Er konnte nicht sterben, sagt sie, die Revolution ist nur tot. Sie spricht mit ihrem Vater aus der Ferne, ob er vergessen habe, 1979, als er kämpfte und in der Menge vorne ganz kurz bist du unbesiegbar, wie er Dinge änderte, aber am Ende habt ihr alles nur schlimmer gemacht. Roya erzählt in Deutsch und in Persisch, erzählt von ihrer Revolution, nur fünf Jahre sind vergangen, aber die Welt blickt jetzt an andere Orte. Es geht Roya gut in Deutschland, es geht mir wirklich gut, Papa, aber die Frage bleibt: War es das wert? Das alles? Ein ehrliches und bewegendes Stück Theater. //sim

Nazis statt Nudeln

Gruppe International | TÄTERurENKEL 

Mathematik ist nützlich, wenn man über Nazis redet. Nudeln auch. Was uns TÄTERurENKEL sagen will: Wir alle sind Nazis, weil wir Nazivorfahren haben, denn nur Nazis konnten sich fortpflanzen in Deutschland vor 70 Jahren. Das Gespenst der Geschichte sitzt mit uns am Kaffeetisch. Es zu ignorieren, ist unhöflich. Zu nicken, wenn unsere Großeltern sagen "Früher war alles besser", ist monströs. In den Jahren zwischen 1939 und 1945 stirbt laut Mathematik ein Mensch pro 4,6 Sekunden. Uns wird empfohlen, die Opfer mit der Uhr zu zählen: der meditative Effekt sei enorm. Am Ende regnet es Konfetti aus einer Urne. Die Teufel tanzen.

//ar

Hello Kitty

Liebes Tagebuch, ich habe sie endlich gefunden.  

Das war in einem dunklen Raum. Sie kam in einem Schneeanzug, ein Katzenkäfig auf ihrem Kopf. Sie sprach: „Drin in mir, da wohnt eine Mieze. Die ist nun auf der Suche nach Milch.“ Dann zog sie sich aus, war halb nackt darunter. „Ich kuschle gern“, das sagte sie. „Schlafe viel, mag Fleisch und Spazieren. Mein Gesicht, das wasch ich am Tag fünfzehnmal.“ Sie sang mir was vor, sang ganz leise. Der Text ging: Miau Miau Miau. Sie tanzte, sprach zitternd ihr Mauzifest, sagte: „Katzenfrauen-Power, das ist bedingungslose Liebe.“ 

 









Liebes Tagebuch, dann ging das Licht wieder an.

//mp


Light Bondage


Annika Schäfer | Medea

Mit Annika Schäfers Medea zeigt das Ballhaus Ost bei der Eröffnung Mut zur Moderne. Das Stück für drei Menschen und fünf Puppen öffnet sich gegenwärtiger Popkultur. Die drei Performer springen auf den beliebten Fantasybandwagon auf: Drachen, Helden und sogar ein Vampirbiss sind auf der Bühne zu sehen zumindest, wenn Sie so genau hinsehen wie wir. Titelheldin Medea ist gebunden von ihrer Weiblichkeit, sie braucht Iason, um sie zu erlösen und aus ihren Light Bondage Fesseln zu befreien (auch Light Bondage ist sehr aktuell). Er heiratet dann eine andere, also tötet sie ihre beiden Kinder und fliegt auf einem Drachen davon. Hobbits kommen allerdings keine vor. Vielleicht im nächsten Stück.

//ar