Montag, 24. Februar 2014

Schauraum

Badfood | Badfood

Musiker-WG (Gitarre, Keyboard, Metallfass) sucht neue Mitbewohner. Am besten so viele wie rein passen. Unsere Einzimmerwohnung ist komplett eingerichtet. Es gibt massig Gartenzäune, Leitern, Auspuffrohre, CD-Ständer, kaputte Telefone und Nebel. Vor allem Nebel. Da aufgrund chronischen Fenstermangels keine Sonne ins Zimmer kommt, haben wir den ganzen Tag lang Stroboskoplicht an. In unserer Freizeit spielen wir gemeinsam Noise-Mucke, schauen Filme, in denen Frauen mit Creme bestrichen werden, und schreiben Dinge an unsere Wände wie: DINOSAUR SHIT NEBULA NEBULA NEBULA. Das Zimmer liegt im zweiten Stock des HAU 2. Die Miete beträgt ein Tagesticket. Es ist frei vom 23. Februar bis zum 23. Februar. Komm vorbei, bring Hörschutz mit.

//mp

So lebte er hin

polasek&grau | Lenz von Georg Büchner

Foto: Roger Rossell
Seit Lenz zurück ist aus Waldbach ist der echt schräg drauf. Ich mein, der steht hier rum und führt lauthals Selbstgespräche mit so Artistengestalten im Schlepptau. Ich glaub im Kopf ist der noch immer da oben in den Bergen. So wie der den S-Bahnen nachschaut, den Autos nachläuft. Als hätt' der sowas noch nie gesehen. Irrer Blick, totale Nervenkirmes. Ne Horde Gaffer um ihn rum, als wär's ein Theaterstück oder so. Sehen die etwa nicht, dass der leidet? Der schreit sie doch hinaus, seine Einsamkeit! Und dann, so plötzlich wie Lenz aufgetaucht ist, ist er auch schon wieder verschwunden im  Dunkeln. Und verdammt nochmal, es bricht mir das Herz!

//mp

Hat Julia Engelmann eine Performance über relevante Probleme der Welt konzipiert?


Feld Fiction | something to track

Foto: Arne Schmitt
Ich finde, wir sollten die gegenwärtige Orientierungslosigkeit im Zeitalter unserer Gesellschaft anprangern, das ist nämlich wichtig. Lasst uns ganz unterschiedliche Leute zeigen, die ziellos durch den Raum laufen und abrupt die Richtung ändern oder abbremsen. Wie wäre es mit dem Studentenleben? Wir könnten das Bild aufmachen, wie junge Leute im Park sitzen, grillen und Protestlieder singen. Migration ist auch interessant. Oder Arbeitslosigkeit. Oder beides! Die deutschen Behörden und Hartz IV sind echt schwer zu bewältigen. Es gibt so viele gesellschaftliche Schieflagen. Wir sollten sie alle abhandeln. Und das am besten nicht zu kompliziert. //tot

Ich haul dich gleich – eine fast halbe 100 Wort Kritik

Gut für die Vita | Riesenhaul 

Die Schauspielerei ist ein hartes Pflaster, auf dem man sich durchzuschlagen wissen muss. Schauspielerin M. Siebert hat sich das so überlegt: Haulvideos (diese Internteschnipsel, in denen oft junge Mädchen Einkauftipps geben) mit Monologeinlagen, oder auch Menschen, die ihr ähnlich sehen, aus dem Verkehr ziehen. Das funktioniert auf der Bühne ganz gut, als Schauspielerin hätte ich Angst vor ihr. 

//ls

Is this real?

Daniela Lucato | Call me reality

*Also am Anfang war‘s ja noch ganz stylish mit den Kostümen und den Videos. //Das war so 80er Jahre Sience-Fiction Film, aber dann: Zu viel geredet. //Dann haben die so komische Vermischungen gemacht. Realität und Cyber-Space. Und auch noch auf Englisch. //Die hatten Mikroports und immer, wenn die sich umarmt haben, hat‘s so ne Rückkopplung ergeben, das war, glaub ich, ungewollt. Aber eigentlich geil. //Und Gedankenstimmen find ich auch immer richtig gut. //Das ist alles völlig außer Kontrolle geraten. //Die haben sich da voll reingesteigert und fanden das Publikum merkwürdig. //Why are you staring at me? //Dabei konnten die uns gar nicht sehen. //Die konnten uns schon sehen, aber nicht in Kontakt mit uns treten. //Semipermeable vierte Wand. //fs

Wenn er mein Herz tropfend aus dem Brustkorb hebt

Anna-Lena Kühner | Autopsie


Die nächste Begegnung mit ungekochten Spaghetti dürfte für den Zuschauer befremdlich ausfallen. Ebenso diejenige mit dem Handrührgerät seiner Küche. Trockene Spaghetti, wenn man sie bricht, klingen wie sich spaltende Knochen, ein elektrisches Handrührgerät wie ein Knochenbohrer. Ein Holzstab in einem blättergefüllten Schuhkarton schlägt Schritte durch giftigen Efeu, Papier reißt wie das Polohemd und das Handrührgerät manuell lässt die Räder des Rollbettes quietschen, auf dem Howard gelähmt, aber bei vollem Bewusstsein in den Autopsieraum geschoben wird. In einer dynamischen Verbindung aus Schauspiel und Hörspiel erzählen die drei Performer einen Alptraum von bemerkenswerter Intensität. Stephen King wäre zufrieden.   //sim

Sonntag, 23. Februar 2014

An und aus

Vera Sofia Mota / Kristoffer Ström | Second Love 

Foto: Paulo Chinatown Matosinhos


Zwei Performer, die hintereinander etwa 10 Minuten in einem dunklen Raum tanzen. Ab und zu geht ein Strahler an und dann wieder aus. Was bleibt sind Silhouetten. Und noch fast siebzig Worte, die ich mehr hätte schreiben müssen. 

Foto: Paulo Chinatown Matosinhos


//ls